B2B-Beschaffung mechanischer Industriekomponenten · Österreich

Glossar

Fachbegriffe zu Wälzlagern, Dichtungen und Ketten

Kurze Erklärungen der Begriffe, die in technischen Anfragen am häufigsten vorkommen. Damit lassen sich vorhandene Bezeichnungen besser einordnen.

Lagerbezeichnung

Die Lagerbezeichnung beschreibt Bauart und Größe eines Wälzlagers nach einem genormten System (DIN 623-1). Bei 6310 steht „6“ für Rillenkugellager, „3“ für die Maßreihe und „10“ für die Bohrungskennzahl. Ab Kennzahl 04 ergibt Kennzahl × 5 den Bohrungsdurchmesser, hier also 50 mm.

Nachsetzzeichen (z. B. 2RS, 2Z, C3)

Nachsetzzeichen stehen hinter der Lagerbezeichnung und beschreiben Ausführungsdetails: 2RS steht für beidseitige Dichtscheiben, 2Z bzw. ZZ für beidseitige Deckscheiben, C3 für eine größere Lagerluft. Für eine korrekte Ersatzbeschaffung sollten sie immer vollständig angegeben werden.

Lagerluft (CN, C3)

Die Lagerluft ist das Maß, um das sich ein Lagerring gegenüber dem anderen radial oder axial verschieben lässt. Normale Lagerluft (CN) trägt kein Zusatzzeichen. C3 bezeichnet eine größere Lagerluft als normal und wird häufig eingesetzt, wenn sich der Innenring im Betrieb stärker erwärmt oder mit festem Sitz auf der Welle montiert ist, etwa in Elektromotoren.

Rillenkugellager

Das Rillenkugellager ist das am weitesten verbreitete Wälzlager. Es nimmt radiale und in begrenztem Umfang axiale Kräfte in beiden Richtungen auf, eignet sich für hohe Drehzahlen und ist offen oder mit Deck- bzw. Dichtscheiben erhältlich.

Zylinderrollenlager (NU, N, NJ, NUP)

Zylinderrollenlager haben zylindrische Rollen und tragen hohe radiale Lasten. Die Bauform ergibt sich aus der Anordnung der Borde: Bei NU und N lassen sich die Ringe axial gegeneinander verschieben (Loslager), NJ führt die Welle axial in einer Richtung, NUP in beiden Richtungen.

Kegelrollenlager

Kegelrollenlager haben kegelige Rollen und nehmen kombinierte radiale und axiale Kräfte auf. Weil sie axial nur in einer Richtung tragen, werden sie meist paarweise gegeneinander angestellt, zum Beispiel in Getrieben.

Fest- und Loslager

Eine typische Wellenlagerung besteht aus einem Festlager, das die Welle axial führt, und einem Loslager, das Längenänderungen durch Wärmeausdehnung ausgleicht. Ob ein Lager als Fest- oder Loslager eingesetzt wird, beeinflusst die Wahl von Bauform und Passung.

Radial-Wellendichtring (RWDR)

Ein Radial-Wellendichtring dichtet eine rotierende Welle gegenüber einem Gehäuse ab. Er besteht meist aus einem Elastomer mit metallischem Versteifungsring und einer Zugfeder, die die Dichtlippe an die Welle drückt. Bauformen und Abmessungen sind in DIN 3760 bzw. ISO 6194 genormt. Umgangssprachlich wird oft „Simmerring“ gesagt, das ist eine eingetragene Marke.

Bauform A und AS

Bauform A und AS sind Bezeichnungen nach DIN 3760. A hat einen gummierten Außenmantel und eine Dichtlippe mit Zugfeder, AS zusätzlich eine Schutzlippe gegen Schmutz von außen. Bei den Bauformen B und BS ist der Außenmantel metallisch.

NBR, FKM und PTFE

NBR, FKM und PTFE sind gängige Dichtungswerkstoffe. NBR (Nitrilkautschuk) ist für Mineralöle und Fette üblich und typischerweise bis etwa 100 °C geeignet. FKM (Fluorkautschuk) verträgt Temperaturen bis etwa 200 °C und viele aggressivere Medien. PTFE zeichnet sich durch hohe chemische Beständigkeit und geringe Reibung aus. Es handelt sich um Richtwerte, maßgeblich ist die Freigabe des Herstellers.

Umfangsgeschwindigkeit

Die Umfangsgeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit der Wellenoberfläche unter der Dichtlippe: v = π · d · n / 60 000 (v in m/s, d = Wellendurchmesser in mm, n = Drehzahl in min⁻¹). Beispiel: Eine Welle mit 45 mm bei 1.450 min⁻¹ ergibt rund 3,4 m/s. Der Wert ist neben Temperatur und Medium entscheidend für die Werkstoffwahl.

V-Ring

Ein V-Ring ist ein Elastomerring, der auf der Welle sitzt, mit ihr umläuft und axial gegen eine Gegenfläche dichtet. Er wird oft als Vorschaltdichtung eingesetzt, um Schmutz und Spritzwasser von Lager und Wellendichtring fernzuhalten.

Reparaturhülse

Eine Reparaturhülse ist eine dünnwandige Stahlhülse, die auf eine eingelaufene Welle aufgepresst wird und eine neue, glatte Lauffläche für die Dichtlippe bildet. So lässt sich die Welle weiterverwenden, ohne sie nacharbeiten zu müssen.

Teilung

Die Teilung ist der Abstand zwischen den Mittelpunkten zweier benachbarter Bolzen einer Kette. Sie ist das wichtigste Kettenmaß und muss zum Kettenrad passen. Bei Rollenketten nach ISO 606 gibt die Zahl vor dem Buchstaben die Teilung in Sechzehntel Zoll an: 16B bedeutet 16/16 Zoll, also 25,4 mm.

Kettenbezeichnung (A, B, -1, -2, -3)

Bei Rollenketten nach ISO 606 kennzeichnet A die amerikanische Bauart (DIN 8188) und B die europäische Bauart (DIN 8187). Die Zahl nach dem Bindestrich gibt die Anzahl der Stränge an: -1 für Einfach-, -2 für Zweifach- und -3 für Dreifachketten.

Kettenlängung

Die Kettenlängung ist die verschleißbedingte Verlängerung einer Kette durch Abrieb in den Gelenken. Häufig wird ein Austausch ab etwa 2 bis 3 % Längung empfohlen, maßgeblich sind die Angaben des Herstellers. Eine gelängte Kette verschleißt auch die Kettenräder schneller.

Redlerkette (Kratzerkette)

Eine Redlerkette ist die Kette eines Trog- bzw. Kratzkettenförderers. Mitnehmer an der Kette ziehen Schüttgut wie Späne, Zunder oder Granulat durch einen geschlossenen Trog.

Flyerkette (Fleyer- oder Blattkette)

Eine Flyerkette besteht aus wechselweise angeordneten Laschen und Bolzen und hat keine Rollen. Sie läuft über Umlenkrollen statt über Kettenräder und wird vor allem für Hubanwendungen wie Gabelstapler und Hubmasten verwendet. Genormt ist sie in ISO 4347 bzw. DIN 8152.

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